Natura 2000 ist das europaweite Schutzgebietsnetz der Europäischen Union. Es verbindet besonders wertvolle Lebensräume und Gebiete, die für den Schutz bestimmter Tier- und Pflanzenarten von Bedeutung sind. Grundlage sind zwei europäische Richtlinien: die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und die Vogelschutzrichtlinie. Gemeinsam bilden die nach diesen Richtlinien ausgewiesenen Gebiete das Netzwerk Natura 2000.
Die FFH-Richtlinie schützt europaweit besonders gefährdete oder charakteristische Lebensraumtypen sowie Tier- und Pflanzenarten. Die Vogelschutzrichtlinie richtet sich auf den Schutz der wildlebenden europäischen Vogelarten und ihrer Lebensräume. Dazu gehören auch wichtige Rast-, Überwinterungs- und Zuggebiete. Ziel ist, die geschützten Lebensräume und Arten in einem günstigen Erhaltungszustand zu bewahren oder diesen wiederherzustellen.
Natura 2000 verfolgt dabei einen anderen Ansatz als ein flächendeckendes Nutzungsverbot. In vielen Gebieten bestehen weiterhin Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei oder andere Nutzungen. Entscheidend ist, dass die für das jeweilige Gebiet festgelegten Erhaltungsziele erreicht und erhebliche Beeinträchtigungen der geschützten Lebensräume und Arten vermieden werden. Dafür werden Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen festgelegt und regelmäßig überprüft.
Natura 2000 im Unteren Odertal
Das Untere Odertal gehört zu den bedeutendsten Natura-2000-Gebieten Brandenburgs. Der Nationalpark Unteres Odertal ist selbst Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzes. Das FFH-Gebiet „Unteres Odertal“ (DE 2951-302) umfasst die für die Region charakteristische Flussaue mit Altarmen, Poldern, Auenwäldern und weiteren wertvollen Lebensräumen. Hinzu kommen beispielsweise naturnahe Wälder und kontinentale Trockenrasen, die im Unteren Odertal auf engem Raum nebeneinander vorkommen.
Milena Kreiling
Milena KreilingSchilfrohrsänger
Auch für Vögel hat das Gebiet eine herausragende Bedeutung. Das EU-Vogelschutzgebiet „Unteres Odertal“ (DE 2951-401) umfasst den Nationalpark und schützt bedeutende Lebensräume für Brut-, Zug- und Rastvögel. Die angrenzende „Mittlere Oderniederung“ (DE 3453-422) setzt diesen Schutzverbund entlang der Oder fort. Das großräumige Vogelschutzgebiet ist unter anderem eine wichtige Leitlinie des Vogelzugs sowie ein bedeutendes Rast- und Überwinterungsgebiet.
Schutz einer dynamischen Flusslandschaft
Im Unteren Odertal treffen unterschiedliche Lebensräume auf engem Raum aufeinander: Gewässer und Altarme, Polder, Feucht- und Auengrünland, Auenwälder sowie trockene Hänge und Trockenrasen. Diese Vielfalt macht das Gebiet zu einem wichtigen Baustein des europäischen Schutzgebietsnetzes.
Der Schutz richtet sich deshalb nicht nur auf einzelne Arten. Entscheidend ist auch die Erhaltung ihrer Lebensräume und der ökologischen Zusammenhänge zwischen ihnen. Der Nationalparkplan übernimmt zugleich die Funktion des FFH-Managementplans für das Gebiet und legt Maßnahmen zur Erhaltung und Entwicklung der FFH-Lebensraumtypen fest.
Beobachten, bewerten, handeln
Natura 2000 ist kein einmalig festgelegter Zustand. Die Entwicklung der geschützten Lebensräume und Arten wird regelmäßig erfasst und bewertet. Auf dieser Grundlage können Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen angepasst werden.
Im Unteren Odertal ist diese langfristige Beobachtung besonders wichtig, weil sich eine Flussaue ständig verändert. Wasserstände, Überflutungen, Vegetationsentwicklung und Nutzung beeinflussen die Lebensräume und damit auch die daran gebundenen Arten.
Die Natura-2000-Arbeit ist zudem grenzüberschreitend. Im Unteren Odertal wurden bereits gemeinsam mit polnischen Partnern Methoden für das Monitoring und Management ausgewählter Natura-2000-Lebensraumtypen entwickelt und erprobt. So lassen sich die ökologischen Zusammenhänge der Oderlandschaft über die Staatsgrenze hinweg betrachten.